Zwei 14-Jährige bei Bandenkämpfen in Frankreich getötet | WEB.DE25.02.2021  -  Am Montag und Dienstag sind in Frankreich zwei Jugendliche nach Auseinandersetzungen zwischen mehreren rivalisierenden Banden gestorben.Die zwei Fälle stehen zwar nicht in direktem Zusammenhang, zeigen aber, wie weitreichend das Problem Jugendgewalt gerade im Großraum Paris ist.Frankreichs Innenminister will nun mit zusätzlichen Polizisten für Ruhe sorgen.
Zwei tote Teenager. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Im selben Département. Die beiden Fälle im Süden von Paris sorgen derzeit in ganz Frankreich für Aufsehen, sogar der Innenminister eilte am Dienstag nach Essonne.
Zuerst wurde am Montag eine 14-Jährige bei einer Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Banden in der Gemeinde Saint-Chéron getötet. Mit einem tödlichen Stich in den Bauch, wie die zuständige Staatsanwältin Caroline Nisand erläuterte. Laut "Libération" hat das Mädchen versucht zwischen den beiden Gruppen zu schlichten, von denen eine aus dem acht Kilometer entfernten Ort Dourdan stammen soll.
Sechs Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren kamen Nisand zufolge in Haft, drei von ihnen hatten sich der Polizei selbst gestellt. Einer der Verdächtigen habe gestanden, sagte Nisand. Er war der Polizei bereits wegen zwei anderen Straftaten bekannt, diese hatten aber nichts mit Gewalttaten zu tun. Die Justiz ermittele nun unter anderem wegen Mordes und schwerer Gewalt gegen Minderjährige sowie unterlassener Hilfeleistung.

Tödlicher Stich
Am Dienstag dann der zweite Vorfall im Département Essonne: Bei einer Auseinandersetzung mit Messern und Baseballschlägern zwischen 30 bis 50 Jugendlichen in Boussy-Saint-Antoine, etwa 45 Kilometer vom ersten Tatort entfernt, kam am Nachmittag ein 14-Jähriger ebenfalls durch einen Stich ums Leben. Zudem wurde ein 13-Jähriger am Hals schwer verletzt, er musste notoperiert werden.
Über die Altersangaben der beiden gibt es allerdings widersprüchliche Aussagen in den französischen Medien. Die Polizei nahm nach der Prügelei sechs Menschen fest, ein siebter stellte sich später.
Die jungen Leute sollen zwei Banden aus Epinay-sous-Sénart und Quincy-sous-Sénart angehören. Sie hätten sich auf "neutralem Boden" in Boussy-Saint-Antoine getroffen, um gegeneinander anzutreten, berichtet "Le Monde".
Zwar stehen die beiden Fälle der Staatsanwaltschaft zufolge nicht in direktem Zusammenhang. Allerdings seien sie exemplarisch für die Brutalität und die Häufigkeit von Jugendgewalt im Département Essonne, schreibt "Le Monde" unter Bezugnahme auf Justizkreise.
Frankreichs Innenminister gibt vor allem Eltern Schuld an GewaltausbrüchenWohl auch deshalb reagierte die französische Regierung rasch. Innenminister Gérald Darmanin reiste noch am Dienstag in das Département, in dem beide Schlägereien stattfanden. "Stichwaffen und Eisenstangen sollten von einem 13-jährigen Kind nicht benutzt werden", erklärte Darmanin in einem Tweet. Er machte neben Schulabbrüchen und "neuen Technologien" vor allem die Eltern für die Auseinandersetzungen verantwortlich, weil sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen seien.
In einem weiteren auf Twitter veröffentlichten Video sprach der Politiker von Emmanuel Macrons Partei La République en Marche den örtlichen Behörden seine Unterstützung aus. Er kündigte an, etwa hundert Polizeibeamte so lange wie notwendig zusätzlich in der Gegend zu stationieren.

Hilferuf des Präsident des Départements Essonne
Ende der Woche soll es zudem ein Treffen mit den Präfekten aller Départements der Region Île-de-France geben. Denn landesweit würden 90 Prozent der Schlägereien zwischen Jugendlichen im Großraum Paris stattfinden, betonte der Innenminister.
Der Präsident des Départementrates, François Durovray, bat Darmanin laut eigener Aussage um einen "Marshall-Plan" für Arbeitskräfte. "Hier fehlen uns Polizisten, Gendarmen, Angestellte, Richter, Lehrer…", klagte Durovray auf Twitter.
Bereits 2010 hatte die Pariser Polizei einen Aktionsplan zur Bekämpfung gewalttätiger Banden ins Leben gerufen, der sich sowohl auf die französische Hauptstadt selbst als auch auf Vororte erstreckt. Seit fünf Jahren soll die Zahl der Banden stagnieren.