Bildergebnis für Dreckiges Geschäft mit der Hoffnung auf ein Ende der Pandemie21.02.2021  -  Gefälschte Impfstoffe und Corona-Tests, unzertifizierte Atemschutzmasken und gefälschte Websites.Kriminelle nutzen die Coronakrise längst für ihre Machenschaften.WHO und Interpol warnen eindringlich vor kriminellen Aktivitäten, auch das BKA ist alarmiert.
Es ist ein dreckiges Geschäft mit der Hoffnung auf ein Ende der Pandemie: Die internationale Polizeiorganisation Interpol und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnen vor kriminellen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Fälschung, dem Diebstahl und der illegalen Werbung für Covid-19- und Grippeimpfstoffe.
"Während Regierungen sich darauf vorbereiten, Impfstoffe auszuliefern, planen kriminelle Organisationen, die Versorgungsketten zu infiltrieren oder zu stören", sagte Jürgen Stock, Generalsekretär von Interpol. Kriminelle Netzwerke hätten es auch mit Fake-Websites und gefälschten Medikamenten, die lebensbedrohliche Risiken haben könnten, auf ahnungslose Bürger abgesehen.

Fälscher-Mafia reagiert schnell
"Wir haben eine ganze Reihe an Berichten über gefälschte Medikamente, Test-Kits und Impfungen erhalten. Das ging gleich nach Beginn der Pandemie los", sagte Pernette Bourdillon Esteve von der WHO in Genf im Interview mit der Sendung "Plusminus" der "ARD". Der Schattenmarkt habe äußerst dynamisch reagiert: "Um die Lücken im Markt zu füllen, werden Fälschungen angeboten", so die Expertin.
Demnach reagierte die Fälscher-Mafia bereits im März und April 2020 mit Angeboten für Masken, kurz darauf folgten dubiose Anzeigen für Test-Kits. Als Donald Trump im Herbst vergangenen Jahres an Corona erkrankte und mit dem Medikament "Remdesivir" behandelt wurde, habe es nicht lange gedauert, bis eine Fälschung des Arzneistoffs im Internet angeboten worden sei.

Illegaler Handel im Darknet
Die Kriminellen tummeln sich in den sozialen Netzwerken, vor allem aber im Darknet - dem Teil des Internets, der über übliche Suchmaschinen nicht auffindbar ist. Sie haben leichtes Spiel, denn die Sehnsucht nach einem Ende der Pandemie ist groß: Weltweit sind Menschen bereit, Impfstoffe auf privatem Wege zu kaufen. Denn die Impfdosen sind bislang knapp, die Versorgungslücken produzieren eine große Nachfrage auf dem Schwarzmarkt.
Die WHO warnt jedoch ausdrücklich davor: "Patienten und Medikamentenhandel müssen unbedingt innerhalb der regulierten Versorgungskette bleiben. Der Handel darf nur über sichere Quellen kaufen, damit keine illegalen Produkte gekauft werden", appellierte Esteve im "Plusminus"-Interview.

Sicherheit der Lieferketten
Und auch Interpol zufolge ist es von entscheidender Bedeutung, die Sicherheit der Lieferketten zu gewährleisten und illegale Internetseiten, die für Fake-Impfstoffe werben, zu identifizieren. Die Pandemie habe schon jetzt "ein beispielloses opportunistisches und räuberisches kriminelles Verhalten ausgelöst".
Erste Banden sind bereits aufgeflogen: So konnte die chinesische Polizei im November 2020 einen Fälscherring mit 80 Personen festnehmen und gefälschten Corona-Impfstoff sicherstellen. Die Kriminellen hatten wirkungslose Kochsalzlösungen in Ampullen abgefüllt.

Gefälschte Impfstoffe aufgetaucht
Auch in Indien sind bereits Fälschungen aufgetaucht. Bei einer Beschlagnahmung des Münchener Zolls im Oktober 2020 fanden Beamte neben teuren Uhren, Antibiotika und Potenzmitteln auch Präparate, die versuchsweise zur Therapie gegen Corona eingesetzt wurden. Eingekauft worden waren die Medikamente in Fernost, wurden anschließend über Singapur in die ganze Welt verschickt.
Dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen bislang keine Erkenntnisse zu konkreten Sachverhalten im Zusammenhang mit gefälschten Covid-19-Impfstoffen in Deutschland vor. Das teilte das BKA unserer Redaktion auf Anfrage mit.

Ausweichen in die digitale Welt
Doch auch das BKA beobachtet Auswirkungen auf das Kriminalitätsgeschehen. "Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist der vermehrte Verbleib im häuslichen Umfeld nach wie vor kennzeichnend für den Alltag großer Teile der Bevölkerung. Dadurch verändern sich Tatgelegenheitsstrukturen", informiert die Behörde. Dadurch habe sich die Eigentums- und Gewaltkriminalität verringert.
Gleichzeitig aber gelte: "Die Gesellschaft weicht im Zuge der Corona-Krise unweigerlich vermehrt auf die digitale Welt aus – ein perfekter Nährboden für Cyberkriminelle." Sie missbrauchten die Ausbreitung des Virus, die damit einhergehenden Sorgen und Unsicherheiten in der Bevölkerung sowie die vermehrte Nutzung von digitalen Angeboten für ihre Zwecke.

Gefälschte Negativ-Tests
"Ob durch Phishing-Mails, DDoS-Attacken oder durch die Durchführung und Verbreitung von Desinformationskampagnen, es entwickelten sich zahlreiche Tatgelegenheiten, welche alle als gemeinsamen Nenner die Corona-Krise als Narrativ ihrer Angriffe nutzen", warnt das BKA. Insbesondere Ransomware-Attacken würden seit Beginn der Pandemie verstärkt festgestellt.
Auf den Darknet-Märkten beobachten auch die deutschen Ermittler gefälschte Waren wie Atemschutzmasken und Antikörper-Schnelltests, aber auch Anleitungen zur Begehung von Betrugsdelikten mit Corona-Bezug.

Besondere Vorsicht geboten
Doch auch im freizugänglichen Clearnet, dem Gegenstück zum Darknet, ist Vorsicht geboten: Kriminelle haben Fake-Webseiten in Betrieb genommen, um Daten abzugreifen. "Es ist wichtig, dass die Strafverfolgungsbehörden so gut wie möglich auf den Ansturm aller Arten von kriminellen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Covid-19-Impfstoff vorbereitet sind, weshalb Interpol diese globale Warnung herausgegeben hat", sagte Interpol-Generalsekretär Stock.
Sobald internationale Reisen wieder zunehmen, rechnet die Behörde mit einer Zunahme an gefälschten und illegalen Corona-Testkits. Gefälschte negative Corona-Testbescheinigungen sind im Darknet bereits erhältlich.
Um nicht auf Online-Betrug hereinzufallen, rät Interpol zu erhöhter Wachsamtkeit und Skepsis bei der Suche nach Medikamenten und Gesundheitsprodukten. "Prüfen Sie immer die neusten Gesundheitshinweise im Zusammenhang mit Covid-19 durch Ihre nationale Gesundheitsbehörde oder die WHO", heißt es.